Nun ist sie vorbei - unsere 30-Jahre-WÜSTENFAHRER-Jubiläumsreise in die algerische Sahara.

Leider, denn wohl alle der 12 Männer und 2 Frauen, die dabei waren, bedauern das, denn es war eine besonders schöne Reise - für mich vielleicht die beste meiner unzähligen Sahara-Reisen.

Das lag nicht nur an der traumhaft schönen Route, die unser langjähriger Tuareg-Guide Ahmed zum besonderen Anlass zusammengestellt hatte, auch nicht an den klimatisch perfekten Bedingungen und dem weichen Licht der winterlichen Sahara, es lag ganz eindeutig auch an den Teilnehmern.

Die waren eigentlich keine Reisegruppe, sondern ein Team, das mir diese Reise zu einem echten Geburtstagsgeschenk machte. Enorme Reiseerfahrung, souveränes Fahrkönnen, begeisternde Geselligkeit, toller Humor, Routine und Hilfsbereitschaft in den täglichen Abläufen - all das sorgte immer für tolle Stimmung. Nicht einmal, als ich den Truck ganz fürchterlich im Wadi-Schlamm versenkt hatte, kam Stress auf und nach zwei arbeitsreichen Stunden, bei denen wirklich ALLE mithalfen und clevere Ideen hatten, war er wieder raus aus dem Schlamassel. Im Video - noch in Arbeit - wird diese unglaubliche Aktion zu sehen sein.

Erwartungsgemäß gab es mit unserer Truppe – viele WÜSTENFAHRER-Stammkunden darunter - auf den über 1.500 Kilometern zum Teil schweren Offroad-Strecken keine nennenswerten fahrerischen oder technischen Probleme. Und die ständig tolle Stimmung brachte sogar Ahmed - immerhin schon über 70 – dazu, Abend für Abend bis spät nachts mit uns am Lagerfeuer zu palavern und zu lachen.


Ein Reisebericht ist in der Motorradzeitschrift ENDURO erschienen und hier downloadbar


Videos:
Die Links zum zweiteiligen Video über diese Reise sind bei der Reisebeschreibung zu finden


Aktuelles aus Algerien:
Einiges hat sich in den fünfeinhalb Jahren seit meiner letzten Reise geändert, Einiges ist wie zuvor. Die Straßen sind besser denn je, was die 2.000 km lange Anreise im Truck samt Anhänger bis Djanet angenehm machte.

Die Menschen sind freundlich und liebenswürdig wie eh und je. Der Grenzübertritt war ein Vergnügen - bei der Einreise wegen der vielen Schreibarbeit der Beamten ein etwas längeres, bei der Ausreise ein nur eine Viertelstunde dauerndes. Freilich schallt es bei Behörden-Kontakten immer so aus dem Wald heraus wie man hineinruft. Und das tue ich immer freundlich und respektvoll, mal in fliessendem Französisch, mal in eher rudimentärem, aber stets begeistert aufgenommenen Arabisch.
Sogar die obligatorische Eskortierung durch die Gendarmerie Nationale auf An- wie Rückreise war für mich und meinen Overland-Begleiter Rainer erstens interessant, zweitens praktisch: Wir lernten pro Strecke um die 15 verschiedene Eskorten-Teams - je zwei Autos mit je drei Gendarmen der jeweiligen Wilaya oder Stadt - kennen, staunten wie reibungslos die meisten Übergaben klappten, wie nett und locker die Jungs zu uns waren. Zudem erkannten wir rasch den Hauptvorteil der Eskortierung: Checkpoints, und davon gibt es in Algerien viele: Not for us. Teilweise kamen wir uns vor wie der algerische Präsident auf Reisen.

Dass der Grund der Eskortierung darin beruht, dass 2012 islamistische Terroristen aus Libyen die Ölbohrstelle Tiguentourine bei In Amenas überfielen, ist nur auf den ersten Blick beunruhigend. Denn die Sicherheitslage in Algerien ist heutzutage hervorragend. Erstens sind alle Grenzen lückenlos und intensiv von unzähligen Militär-Garnisonen überwacht – auch per Helikopter. Zweitens dürfte die ohne jede Rücksicht auf Kollateralschäden innerhalb kürzester Zeit erfolgte Beendigung des 2012er Angriffs klar gemacht haben, dass es in Algerien für Terroristen nur noch Eines zu holen gibt.
Vom Ausland wurde Algerien dafür schon damals als „Vorbild im Kampf“ gegen den Terrorismus gelobt.

Wie Rainer und ich auf An- und Abreise zwischen Grenze und Djanet zigfach von unseren Begleitern hörten, wird die Eskortierungs-Pflicht auch wohl bald wieder abgeschafft werden. Erstens, weil überflüssig, zweitens weil für die Gendarmerie Nationale zu zeitaufwändig - zumindest, wenn mal wieder mehr Touristen das Land bereisen und nicht nur eine einzige Reisegruppe wie wir. Das kann passieren, denn wenn der Terrorismus sich in Europa weiter so ausbreitet, werden immer weniger vor Reisen in afrikanische Länder zurückschrecken - trotz haarsträubender Reisehinweise übervorsichtiger Behörden.

Was in Ländern wie Tunesien viele als "Wirtschaftsflüchtlinge" nach Europa treibt,  seit badnews-geile Medien und übervorsichtige Politiker den einst blühenden Tourismus noch mehr zerstört  haben als die Attentate der Terroristen. Mal sehen, wann sie das in Europa schaffen.

Algerien braucht im  Gegensatz zu den Nachbarländern Tunesien und Marokko den Tourismus in keinster Weise. Das Land ist extrem wohlhabend, verdient eher Billionen als Milliarden mit dem Verkauf von Bohr-Lizenzen an die Globalplayer der Internationalen Petro-Industrie. Arbeitslos muss in Algerien dank dieses blühenden Wirtschaftszweiges wie der gigantischen staatlichen Baumaßnahmen nur der sein, der nicht arbeiten will oder kann.

Reisende sind in Algerien jedenfalls hochwillkommen, zumindest Deutsche, Österreicher und Schweizer. Das hörten wie schon auf früheren Reisen auch jetzt wieder bei jedem Kontakt mit Algeriern – vom Trucker über den Gendarmen oder Soldaten bis hin zum Barbier, Marktstandbetreiber oder Kommunal-Politiker.


Die nächsten WÜSTENFAHRER-Reisen nach Algerien:
Die erste dauert von 2. bis 16. Dezember 2017, die zweite von 20. Januar bis 4. Februar 2018. Die Route wird über die "Gräberpiste" zum Erg Tiffernine führen. Von dessen Südspitze fahren wir zum Tuareg-Dorf Tamadjert, danach durchs Ifedanouene nach Afara, zum Berg Tarat, durch den Erg Admer, ins Tikobaine und natürlich auch wieder ins Tadrart. Geflogen wird nach/von Illizi und Djanet.

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