Erstmals fand die WÜSTENFAHRER-Island-Reise in der Nach-Saison statt – wir bereisten die „Trauminsel aus Feuer und Eis“ von 24. August mit 9. September 2022.
Das hatte nicht nur den Vorteil, dass der hochsaisonale Touristenstrom bereits abgeschwollen war, sondern auch, dass es nachts wenigstens einige Stunden dunkel wurde – was uns Nordlichter sehen liess.
Und es ersparte uns die auf Island seit vielen Jahren kältesten und nassesten Exemplare der Monate Juli und August.

Zum Glück ist damit nach unseren ersten drei Reisetagen Schluß. Sie sind allerdings noch von einstelligen Temperaturen und häufigem Regen geprägt. Wenigstens geht es offroad-technisch ab Reisebeginn ans Eingemachte und enduristisches „Turnen“ auf dem Motorrad lenkt ab und wärmt auf. Sowohl die Motorräder der Teilnehmer als auch ihre Erfahrung – zum Großteil sind sie alte WÜSTENFAHRER-Kunden - und das neue WÜSTENFAHRER-Begleit-Auto haben mich 2022 nämlich eine besonders anspruchsvolle Offroad-Route planen lassen.

Nach den ersten 400 Offroad-Kilometern über zum Teil ausgefallene Nebenstrecken - zum Riesenvulkankrater Askia, dann südlich drumherum, dann westlich an ihm entlang hinauf zum See Myvatn - sind die Biker allerdings erstmal „satt“, denn Wetter und fahrtechnischer Anspruch der Route gehen schon an die Substanz.
Nur Reiseteilnehmerin Dörte - nach zigtausend Kilometern zwar routinierte, im Sand aber unerfahrene Enduro-Fahrerin - erspare ich ab der Hochlandhütte an der Askia die Weiterfahrt auf Ihrer BMW F 700, denn die ersten 30 km Tiefsand-Piste entlang des Gletschers Vatnajökull sind nur etwas für Sand-Routiniers. Zudem bin ich ganz froh, bei der trialistischen „Kraxelei“ über erstarrte Lava-Ströme eine Copilotin im Auto zu haben, denn nicht selten heisst es zentimetergenau um gewaltige Brocken oder über steile Lava-Riegel zu manövrieren.
Selbstredend wird „zurück in der Zivilisation“ um den See Myvatn die vorgesehene Camping-Übernachtung in einen komfortabel-luxuriösen Agriturismo-Aufenthalt umgewandelt.

Mittags des folgenden Tages wartet der bislang miserable isländische Sommer endlich mit dem, auf bislang 14 WÜSTENFAHRER-Island-Reisen meist erlebten Wetter auf – Sonne pur. Beim Whalewatching-Ausflug sonnen sich daher sowohl die „Watcher“ auf dem Ex-Fischerboot als auch diverse Delfine und drei große Buckelwale unter blauem Polarkreishimmel im fast wellenlosen Wasser.

Drei wunderbar sonnige Tage später soll uns in den mittleren der Westfjorde das Wetter allerdings noch einmal einen Tag lang ärgern. Auch auf dieser Etappe ist eine ausgefallene Nebenpiste angesagt, der als „furchterregendste Piste Islands“ geltende Svalvogavegur. Bei schönem Wetter und mit ausreichendem zeitlichen Abstand zur Flut ist die spektakulär um die Halbinsel zwischen Dyrafjord und Arnarfjord herumführende Piste eine der schönsten und eindrucksvollsten Routen Islands. Für uns wird sie auf ihrem dicht an der Brandung entlangführenden, aus kopfgroßen Felsen bestehenden Abschnitt eine grenzwertige Herausforderung, denn die Flut hat wegen des unterschätzten Zeitbedarfs bereits eingesetzt.

Die Motorradfahrer schieben sich gegenseitig auf der kaum noch autobreiten Strecke über die Felsen. Ich lasse das Auto mit aktivierter Untersetzung über den mehrere hundert Meter langen Abschnitt rollen – wegen des extrem groben Untergrundes allerdings zu langsam - weshalb ich in einem von jeder neuen Brandungswelle gefluteten Abschnitt steckenbleibe. Kurz vor der Flut ist das fatal - weshalb ein Vollbad für mich und meinen Beifahrer Uwe unverzichtbar wird: Wie die Berserker schieben wir fussballgroße Steine vor und hinter den Rädern zur Seite. Dann springe ich ins Auto und fahre mit allen Diffential-Sperren und viel Gas im zweiten Gang der Untersetzung an. Tatsächlich wühlt sich der Crafter nun wieder frei, krabbelt langsam durchs Geröll hinauf ins ebenere Terrain entlang der überhängenden Felswände, die diese Strand-„Piste“ begrenzen. Ohne Rücksicht auf die Federung prügle ich den Wagen nun über den Untergrund - bis die Spur wieder breiter wird und landeinwärts führt.
Harald und Manfred sind schon dort. Uwe fährt in "Zivil" Dörtes BMW über den von Brandungswellen gefluteten letzten Streckenteil. Nasser als er schon von der Grab-Aktion in der Brandung ist, kann er ja nicht mehr werden.
Auch nach diesem Abenteuer canceln wir am westlichsten Punkt Islands die vorgesehene Camping-Übernachtung, lassen es uns in einem Hotel gut gehen.
Trocken und warm starten wir am folgenden Tag in die zweite Reisewoche. Und die Wetter-App hat wie erhofft Recht: Bis zum letzten Reisetag bleibt es sonnig und bis über 20 Grad warm.

Eine unfassbar malerische Offroad-Route nördlich von Thingvellir und unsere zweite Hochlanddurchquerung – diesmal im Süden – wird fotografisch wie wandertechnisch ultimativ schön. Im T-Shirt erkunden wir unter wolkenlosem Himmel den gigantischen Lavastrom und die Ryolith-Berge von Landmannarlauga. Der dortige Thermal-Fluß ist bei solchem Wetter fast zu heiß zum Baden, doch eine halbe Stunde halten wir es aus.

Auch die Weiterfahrt über die an landschaftlicher Schönheit nicht zu toppende „Piste der tausend Furthen“ wird zum Hochgenuß – auch wenn sich Dörte kurz vor unserem Ziel, in eine besonders breite hineinlegt. Zum Glück nimmt ihre BMW das nicht übel. Dazu ist es warm und unser Ziel, eine Hochlandhütte am „Elfental“, nur noch drei Kilometer entfernt.
Dass wir dort den um diese Zeit stattfindenden Abtrieb von Hunderten von Schafen – die Tiere müssen für den Winter vom Hochland in die Küstenebenen – miterleben können, ist ein besonderes Highlight.

Am Abend des 7. September geht es nach einer - trotz anfangs schlechtem Wetter - besonders reizvollen Island-Reise aufs Schiff zurück nach Dänemark.

Für mich ist klar, dass die 2023er Island-Reise ebenfalls wieder in der Nachsaison und garniert mit ettlichen außergewöhnlichen Offroad-Routen stattfinden wird.

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