Reiseberichte
So war unsere Enduro-Reise nach Senegal und Mauretanien im Februar 2023
Unsere Reise zum 35-jährigen Firmen-Jubiläum von WÜSTENFAHRER im Februar 2023
Eine Enduro-Fahrerin und zehn Enduro-Fahrer waren bei unserer, mit 25 Tagen außergewöhnlich lang dauernden Reise nach Senegal und Mauretanien dabei.
Für meinen Assistenten Tinu und mich dauerte sie sogar 44 Tage, denn unsere An- und Rückreise fand ja nicht per Flugzeug statt, sondern overland/overseas zwischen dem WÜSTENFAHRER-Sitz und dem Senegal - jeweils 7 Tage und 4.200 km Straßen - und 2 Tage Schiffsfahrt - mit dem WÜSTENFAHRER-Crafter samt Anhänger mit 10 Motorrädern darauf.
Zehn nur deswegen, weil wir das elfte im Zoll-Depot von Tanger lassen mussten. Der Veranstalter, mit dem der langjährige WÜSTENFAHRER-Kunde und Züricher Polizist Philipp im Jahr zuvor in Marokko war, hatte es nämlich versäumt, dessen KTM 690 R und die Motorräder drei weiterer, bei dieser Reise von Agadir heimgeflogener Teilnehmer bei der Ausreise in Tanger aus der EDV des marokkanischen Zolls austragen zu lassen.
Meine Versuche, die Einfuhr des laut Zoll-Computer seit 2022 noch immer in Marokko befindlichen Motorrades zu ermöglichen, scheiterten. Weder meine Überredungskünste, noch "Bakschisch", noch die Einschaltung eines professionellen "Transitaires" - er telefonierte fast eine halbe Stunde mit dem marokkanischen Hauptzollamt in Rabatt - konnten verhindern, dass Philipps Plan, mit WÜSTENFAHRER auf seiner Enduro ein paar tausend Kilometer in Mauretanien und Senegal herumzufahren, durchkreuzt war - besser gesagt "überkreuzt" - in Anspielung auf den Namen seines 2022er Marokko-Reiseveranstalters.
So musste Philipp die Reise als mein Beifahrer im WÜSTENFAHRER-Crafter erleben - was ihm glücklicherweise so viel Spaß machte, dass er alle Angebot seiner zehn Mitreisenden, mal einen Tag mit deren Enduros zu fahren, ablehnte. Und ich war froh einen kompetenten Einweiser und Assistenten zu haben, denn mein Assistent Tinu übernahm ja auf seiner BMW F 800 GS ab Ankunft der Reiseteilnehmer im Senegal das Motorrad-Tourguiding und das eigentlich zwischen uns vorgesehene Wechseln der Fahrzeuge - einen Tag Auto, einen Tag Enduro - fand nicht statt.
Tinu fuhr manchen anspruchsvollen Streckenteil wohl lieber auf seiner guten alten BMW statt mit meinem erst 2022 gekauften und im Hardcore-Gelände gewisse Ansprüche stellenden Achleitner-Crafter. Ich wiederum war ganz froh, dass ich die 230 kg seiner BMW nicht durch Tiefsand und über Dünen "prügeln" musste - was auf Dauer möglicherweise weder mir, noch dem Bike gut getan hätte.
Fast 4.000 km legten wir erst im Senegal, dann in Mauretanien zurück - problemlos und mit vielen unvergeßlichen Erlebnissen und Eindrücken
Mancher litt zwar ein wenig unter dem auch in Westafrika spürbaren Klima-Wechsel, denn es war nicht so "kühl" wie es normalerweise zu dieser Reisezeit ist.
Die Sport-Enduristen waren zudem auf den fahrtechnisch eher leichten Strecken im Senegal motorradtechnisch overdressed - weshalb die Ungeduld auf die enduristisch anspruchsvolleren Strecken der mauretanischen Sahara täglich wuchs.
Bei der nächsten Reise nach Westafrika werde ich daher wieder mit dem „wüsten“ Teil beginnen, denn nach ettlichen Tagen "Expedition" kann der eher "urlaubige" Reiseteil im Senegal - Übernachtung in Hotels, Sightseeing und "Baccardi-Feeling" - weit besser genossen werden. Zudem werden wir den äußersten Südosten des Landes nicht mehr besuchen, was hin und zurück gut 1.000 km spart.
Grund dafür ist, dass Löwen und andere Großwildarten im - wegen seines naturbelassenen und untouristischen Charakters eigentlich sehr sehenswerten - Niokolo-Koba-National-Park sich während der zwei Jahre Corona-Pause in die unzugänglichen Teilen des 6.000 Quadratkilometer großen Reservats zurückgezogen haben, denn in der besucherlosen Zeit wurde mit viel jaglichem Aufwand versucht, möglichst vielen der rund 200 Löwen GPS-Halsbänder umzulegen. Natürlich mussten sie dazu erst mit Betäubungsgewehren "erlegt" werden.
Hatten wir bei unseren Besuchen in den Jahren 2017, 2018 und 2019 noch viele Nilpferde und Antilopen, einmal sogar einen Leoparden bei der Jagd und Löwen direkt an unserer Lodge gesehen, war der gesamte von uns diesmal befahrene Parkteil wie ausgestorben - mal abgesehen von Gazellen, Affen und Vögeln. Zum Glück hatten wir einige Tage zuvor den im Südwesten des Senegal liegenden Fathala-Nationalpark besucht - ein zwar nicht so riesiges, aber sehr sehenswertes und wirklich tierreiches Naturschutzgebiet.
Zwar bekamen wir 2023 nicht viele Tiere im Niokolo-Park-Koba-Park zu Gesicht, dafür aber eine Art "Erntedankfest" in dem Dorf, wo wir außerhalb des Reservats in einem einfachen Campment übernachteten. Kein Touristen-Spektakel, sondern ein absolut authentisches und je länger der Abend wurde geradezu ekstatisches Masken- und Tanzfest, bei dem wir die einzige "Toubabs" (Woloff für "Weiße") waren und zuvor den Dorf-Chef in seinem Haus besuchen mussten, besser gesagt durften - ein Erlebnis wie im Traum oder Film.
Von diesem südlichen Wendepunkt unserer Senegal-Reise fuhren wir in zwei Tagen zurück zur "Zebrabar". Nach einem Pausentag dort beginnt der "wüste" zweite Teil der Reise:
Highlights der mauretanischen Sahara sind in den folgenden 11 Tagen - neben zwei langen Strandfahrten an der "wilden" mauretanischen Atantik-Küste - die kleine Piste nach Benichab und die sehr anspruchsvoll zu fahrende Strecke entlang des Dünen-"Gebirges" Erg Amatlich. Über eine Steilabfahrt erreichen wir das nächste große Ziel unserer Wüstenfahrt, das von senkrechten Felswänden und riesigen Dünen begrenzte und tiefsandige Tal von Tifoujar. Vom Valle Blanche fahren wir zur Bergoase Terjit, werden dort liebevoll bewirtet und können im warmen Quellteich der malerischen Schlucht hinter der Oase baden.
Durch die spektakuläre Berglandschaft des Adrar gelangen wir über einen früher gefürchteten, weil extrem steilen "Felstreppen-Pass" - jetzt Gottseidank in gutem Zustand - zum malerisch in einer Schlucht gelegenen Dorf Maireth. Von dort geht es kurvenreich weiter bis zur Piste zwischen der Adrar-Hauptstadt Atar und dem uralten, historisch sehr bedeutenden Städtchen Chinguetti. Es war zur Zeit der großen Handels-Karawanen eine Sahara-Metropole - sozusagen das Timbuktu Mauretaniens.
Die Strecke von Atar dorthin ist eigentlich eine gute und leicht fahrbare Piste - eine Art Offroad-Autobahn. Doch Hunderte von Autos und Trucks einer kürzlich hier entlang gerasten großen Rallye - so erzählt unser Guide - haben sie "kaputt" gemacht, sprich zur extremem "Wellblech"-Piste verändert. So hoch sind die Wellen des "Tole ondulez ", dass 100 Stundenkilometer kaum ausreichen, um sie wenigstens so weit "einzuebnen", dass unsere Fahrzeuge nicht zerschüttelt werden. Die 70 km lange "Höllenfahrt" ist wegen der immer wieder auftauchenden Löcher und Gräben nervenaufreibend und gefährlich, doch wir haben keine Wahl.
Wir danken Allah, als wir heil - bis auf ein durch die brutalen Schläge zerstörtes Vorderradfelgenband an Petras KTM - in unserer sehr schönen Unterkunft "Auberge des Caravans" ankommen. Am Nachmittag besuchen wir natürlich mit Führer den historischen Ortskern und dürfen in die berühmte Bibliothek Chinguettis.
Unser Campment liegt direkt an einem mehrere Kilometer breiten und 60 km langen Trockenflußbett - ein von dichter Vegetation und schroffen Bergen gesäumtes Wadi. Seinem Lauf folgen wir am nächsten Tag Richtung Westen, fliegen geradezu über den feinen und oft sehr weichen Sand - eine traumhaft schöne Fahrt. Vorbei an den vorgestern besuchten Bergoasen Oasen Maireth und Terjit erreichen wir die Strasse von Atar nach Nouakchott, verlassen sie nach 90 km wieder, um in den Dünen des nördlichen Erg Amatlich zu biwakieren.
Einige aus unserer Gruppe müssen nach dem Zeltaufbau nochmal nachprüfen, ob Meister vom Himmel fallen können. Beim Dünen-Surfen in Mauretanien offensichtlich genausowenig wie auf ihren bisherigen Tunesien-Reisen. Zur Erheiterung derer, die zuschauenderweise Ankunftsbiere trinken, werden Handstandüberschläge in Zeitlupe vorgeführt und keiner kommt weiter als 50 m ohne sich festzufahren.
Bei der Strandfahrt am zwölften und letzten Tag unserer Mauretanien-Reise ist es über tausendmal so weit: Gut 60 km fliegen alle über den Sand und das bei ziemlich hoher Flut - ein Kinderspiel gegen den "bodenlos" feinen Sand von gestern Nachmittag.
Wieder im Senegal, klingt unsere 25-tägige Reise in der schönen "Zebrabar" und bei einem Besuch von Saint Louis aus, ehe es in den Flieger, für Tinu und mich auf die über 4.000 km lange Overland-Heimreise geht.