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R E I S E B E R I C H T: So war unsere Reise in Tunesien "Sandmeerkreuzfahrt XL" 2021

Reiseberichte

R E I S E B E R I C H T: So war unsere Reise in Tunesien "Sandmeerkreuzfahrt XL" 2021

Unsere Sandmeerkreuzfahrt in doppelter Länge

Selten gab es einen besseren Zeitraum, dem Internet, Telefonnetz und täglichem Nachrichten-Bombardement den Rücken zu kehren als zum Zeitpunkt dieser Tunesien-Reise.

Das Thema Corona wird auf der, gegenüber der normalen Ausgabe der WÜSTENFAHRER-Reise "Sandmeerkreuzfahrt" doppelt so langen schon zu Beginn unserer Enduro-Reise in der Oasenstadt Douz zur Nebensache.

Im Inneren des südtunesischen Sandmeeres ist es vergessen - was auch daran liegt, dass wir es mit Sand zu tun haben, wie er weicher und tiefer nicht sein kann, denn es hat seit Monaten nicht mehr geregnet. Doch Fahrkönnen und Fahrlaune unserer achtköpfigen Gruppe lassen sich davon nicht beeindrucken - ebensowenig wie unsere tunesischen Begleiter, die die beiden Begleitautos über alle Dünen-Passagen manövrieren als seien die geteert. Deshalb erreichen wir den "Verlorenen See" wie immer am dritten Fahrtag - allerdings nicht wie sonst gegen Mittag, sondern erst abends.

Nach einem Pausen - und Badetag schlage ich daher vor - wegen der  Zeit, die uns noch zur Verfügung steht - trotz des ultraweichen Sandes wenigstens den Versuch zu unternehmen, die Riesendünen von Sif Essauane zu erreichen. Sie sind eigentlich sonst nur Ziel der WÜSTENFAHRER-Reise "Sandozeankreuzfahrt".

Unsere tunesischen Begleiter äußern Zweifel darüber, ob das bei den aktuellen Bedingungen möglich ist, denn im Verhältnis zur Fahrt bis zum "Verlorenen See" geht es ja jetzt erst los, denn es sind ab dem Houidhet Riched weit höhere Dünenketten zu überqueren und das doppelt so weit wie bis zu ihm.

Schon nach kurzer Fahrt enden die Spuren der französischen Geländewagengruppe, die wir tagszuvor am See getroffen haben. Sie erzählten uns, dass sie auf der Strecke Richtung "Sif" am Abend des ersten Fahrtages aufgegeben hätten und zwei ihrer sechs Autos mit Differential-Schaden und verbrannter Kupplung zum See zurückschleppen mussten. Sie sind gerademal drei Kilometer weit gekommen.

Auch wir schaffen es nicht bis zum "Sif", aber immerhin mehr als zehn Mal mal so weit wie die Franzosen. Am Abend des dritten Tag beschließen wir, angesichts der immer schwieriger werdenden Strecke - ein Sandsturm hat die von unseren Guides sonst gefahrenen Passagen unbezwingbar gemacht - zum See zurückzufahren. Am Lagerplatz können wir bei einem letzten Hillclimbing mit unseren Enduros die am Horizont aufragenden Riesendünen von Sif Essaouane aber wenigstens schon sehen.

Auf anderer Strecke fahren wir zum See zurück, um nicht dauernd gegen die steilen Seiten der Dünen fahren zu müssen. In kaum einem Kilometer Entfernung vom Houidet Riched haben wir aber keine Wahl, wenn wir nicht völlig aus der Richtung kommen wollen, müssen die "falsche", die steile Lee-Seite einer hohen Dünenkette überwinden.

Die Suche nach einer machbaren Auffahrt verschlingt viel Zeit, zumal es den Autos nichts nützt, den Motorrädern hinterherzufahren, denn wo die unter einem routinierten Fahrer hochkommen, fährt kein 4x4  der Welt hinauf - auch nicht mit so genialen Fahrern wie es unsere tunesischen Guides zweifelsohne sind. Irgendwann ist es geschafft und wir werden für die Strapazen damit belohnt, dass wir den See für uns alleine haben.

Die Franzosen, so hören wir vom Betreiber des Cafè Carlos, sind gestern zur Rückfahrt in Richtung Tembain gestartet. Immerhin geht es auf dieser Strecke die steilen Dünenseiten nur hinunter. Trotzdem dürfte das Unternehmen mit zwei Autos am Abschleppseil über Kurz oder Lang die Hilfe von  "Sahara Assistance" in Anspruch nehmen müssen. Deren Spezial-Trucks kommen zu Hilfe, wie ich schon einige Male miterlebte. Für den Huckepack-Transport eines Autos vom See nach Douz sind allerdings zwischen vier- und sechstausend Euro zu bezahlen.

Wir haben noch einige Tage Zeit, fahren auf einer, mehrere Dünentäler westlich der "normalen" Route zwischen "Verlorenem See" und Tembain verlaufenden Strecke zu Letzterem. Wir vermuten, dass unsere tunesischen Begleiter diese Route gewählt haben, um nicht auf die Franzosen zu treffen. Deren Organisator ist nämlich bei ihnen eher unbeliebt, weil er darauf besteht, dass er als Franzose mit tunesischen Wurzeln keinen lokalen Guide engagieren mus - wie es für jeden anderen Touristen seit vielen Jahren obligatorisch ist.

Vom Tembain fahren wir in Richtung Südosten, wieder hinein ins Dünenmeer und bis zum Bergzug Dekanis Kebir - eine eigentlich nicht leichte Strecke, nach dem hinter uns Liegenden für uns aber doch.

Auf einer traumhaft schönen und anscheinend noch nie von jemand gefahrenen, zumindest völlig spurenlosen Querbeet-Dünenstrecke erreichen wir den Felsklotz des Gourkleb.

Unsere "Indianer" führen uns dort noch immer nicht auf die von vielen Autospuren zu einer Art Piste gewordenen Route zum Brunnen von Elmida zurück, wollen uns wohl über das Nichterreichen von Sif Essaouane mit einer Spezial-Route nach der anderen trösten.

Weiter geht es von Gourkleb querbeet in Richtung Osten - bis zur letzten großen Dünenkette des Grand Erg Orientale. Von ihr haben wir einen umwerfenden Ausblick auf die südtunesische Sahara östlich des Sandmeeres - eine 80 km breite Ebene vor den Bergen des Dahar-Gebirges, deren Silhouetten am Horizont aufragen.

Wir folgen dem Rand des Grand Erg Orientale bis zum Berg Gourmida, biwakieren in seiner Nähe beim Brunnen und Wüsten-Café von Elmida.

Dort kommt er dann nach beeindruckendem abendlichen Wetterleuchten, der lang erwartete und für die Vegetation und Fauna der Sahara so unentbehrliche Regen. Es schüttet die ganze Nacht wie aus Kübeln.

Die bis in eine Tiefe von 30 cm nassen Dünen der letzen Sandbergkette vor dem Campment Grand Erg sind danach so fest, dass sich jeder Reifenstollen darauf abbildet. Anfangs finden wir es ganz spassig fast ohne Gas zu geben über den Sand zu cruisen. Dann wird es bald langweilig, für unsere Autos wegen ihres permanenten Abrutschens bei Schräghangfahrt sogar unangenehm.

In Douz klingt diese außergewöhnliche Reise noch einen Tag lang aus - und wir werden wieder mit dem Thema Covid 19 konfrontiert, denn für Heimflug wie Fähr-Passage müssen wir uns bei einem lokalen Test-Zentrum einem PCR-Test unterziehen. Der fällt natürlich bei uns Allen negativ aus, denn da wo wir gerade herkommen, ist es für Corona-Viren wohl zu sandig und trocken.

Die Tunesien Reise
R E I S E : Zwei Motorradreisen mit Enduros in Tunesien - für Sport-Enduros „durchs Dünenmeer nach Sif Essaouane", für Adventure-Bikes „von Tunis nach El Borma“
R E I S E : Zwei Motorradreisen mit Enduros in Tunesien - für Sport-Enduros „durchs Dünenmeer nach Sif Essaouane", für Adventure-Bikes „von Tunis nach El Borma“
FÜF SPORT-ENDUROS: Vom „Strand“ bei Douz über eine „Insel" mit Thermal-See zu den höchsten „Wogen“ des Sandozeans. FÜR ADVENTURE-BIKES: Auf ultimativer Route durch Tunesiens Nordhälfte bis tief in die Sahara.